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Bericht Simikot Oktober/November 2018

By Mittwoch, der 28. November 2018 No Comments

Am 10.10.18 sind wir wieder nach Simikot aufgebrochen. Unser Team (Dr. Elisabeth Marth, Gynäkologin, Dr. Michael Künstle, Kinderarzt, Dr. Alice Markl, Chirurgin, Marlene Knebelreiter, Krankenschwester und Claudia Lama, Kinderkrankenschwester)  bestand aus „Simikoterfahrenen“, alle waren schon mehrmals dort.

Nach unserer Ankunft in Kathmandu begann für die Ärzte der „Registrierungsmarathon“. Einholen der Arbeitsgenehmigung am Labour Department, Arbeitsvisum am Immigration Office und zuletzt noch ein Interview bei der nepalesischen Ärztekammer. Dank Tsepal hat alles funktioniert und bis Sonntag war alles erledigt.

Vollbepackt mit Medikamenten, die wir gemeinsam mit Tsepal in Kathmandu kauften, ging es über Nepalgunj nach Simikot.

2 Tage später, nach etwas Akklimatisation startete unser medical trek.  Unser Plan war, wie auch bereits im Jahr 2016, einige Tage im healthpost in Yalbang zu arbeiten und vorher einen Abstecher nach Chala zu machen.

Nach 3 Tagesmärschen mit 5 Mulis und Übernachtungen im Zelt erreichten wir unser erstes Ziel, Chala. Chala ist ein vergessenes Dorf auf 3700m, am Fuße des Mount Saipal (7030m) gelegen. Das Leben in Chala ist für die Bewohner (ca. 30 Haushalte) hart und entbehrlich. Alles ist steil, die Felder mühsam zu bewirtschaften.

Einen Tag hielten wir unsere Ambulanz in der Volksschule ab, die junge Volksschullehrerin war sehr engagiert und übersetzte für uns. Fast das ganze Dorf erschien, abends kamen dann noch einige jüngere Frauen direkt zu uns, sie mussten untertags am Feld arbeiten.

Abends waren wir bei der Volksschullehrerin zum Essen eingeladen, auch dafür mussten einige Höhenmeter zurückgelegt werden.

Am nächsten Tag brachen wir nach Yalbang auf, querten einen Pass von 4200m, um über eine verlassene Hochalm nach Yalbang zu gelangen. In Yalbang steht ein großes Kloster mit ca. 400 Mönchen und es gibt auch eine Schule mit einem hostel, ca. 200 Schüler leben dort.

Wir wurden herzlich von Anga, dem healthworker von Yalbang empfangen, auch waren wir sehr über den health post erstaunt. Mittlerweile besteht dieser aus 2 kleinen Gebäuden mit je 4 und 2 Zimmern, davon eine Küche. Alles war ordentlich aufgeräumt, Anga betreut diesen healthpost ganzjährig.

In einem der Räume schlugen wir unsere Zelte auf, bekocht wurden wir von einem jungen Geschwisterpaar aus Yalbang.

In den 5 Tagen haben wir viele Kinder und Erwachsene untersucht, Wundversorgungen durchgeführt, Fremdkörper entfernt und vor allem auch Ultraschalluntersuchungen gemacht. Unterstützt wurden wir von den healthworkern der umliegenden healthposts und auch von Tsepals Bruder Jigme.

Erwähnenswert ist eine 46-jährige Patientin, die an unserem letzten Abend kam, schmerzgeplagt mit unklaren Oberbauchschmerzen.  Nach entsprechender Versorgung übernachtete sie mit ihrem Mann in der Ambulanz, um am nächsten Tag die 2 tägige Reise nach Simikot anzutreten. Zum Teil auf der Ladefläche eines LKWs, zum Teil zu Pferd. Mittags trafen wir uns mit ihr in einem Teehaus, um die notwendigen Antibiotika zu verabreichen und auch abends übernachteten wir in derselben Unterkunft. In Simikot eingetroffen, konnte sie dann am Folgetag nach Kathmandu fliegen.

Auch wir kamen  wieder gut in Simikot an, nach einer kurzen Verschnaufpause haben wir die restlichen Tage im Krankenhaus mitgearbeitet. Der Fortschritt war erstaunlich: Abgesehen vom markanten Eingangsbereich, gibt es nun ein eigenes Gebäude mit einem funktionierenden Röntgengerät, im Labor wird fleißig gearbeitet, im Notfall können jetzt auch Blutkonserven von einer geschulten Laborantin bereitgestellt werden. Auch zahlreiche Labortests stehen zu Verfügung. Das Krankenhaus wird derzeit von 2 Ärzten geleitet, Dr. Dashi hatte  2009  mit uns als healthworker gearbeitet und Dr. Nabin war uns noch als Medizinstudent bekannt. Die beiden und v.a. Dr. Dashi sind sehr bemüht, haben einiges umorganisiert, es gibt eine tägliche Visite, alle Patienten erhalten Leintücher und Pölster sowie 2 x täglich etwas zu essen. So viele stationäre Patienten gab es noch nie, die Zimmer sind ordentlich, der defekte Boden ausgebessert und es gibt einen Dienstplan für die healthworker, rund um die Uhr ist einer verantwortlich und auch security personal befindet sich abends und nachts am Krankenhausareal.

Mittlerweile wurden 5 Kaiserschnitte durchgeführt, es entbinden mehr Frauen im Krankenhaus und auch die Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft werden vermehrt in Anspruch genommen, es gibt so eine Art Mutter Kind Pass, das beinhaltet auch die wichtigsten Impfungen der Kinder nach der Geburt.

Ein maternal hostel nahe dem Krankenhausareal ermöglicht es den Frauen rechtzeitig zu kommen und auch nach der Geburt noch zu bleiben, bevor sie wieder den langen Fußmarsch nach Hause antreten.

Dr. Dashi hat leider keine spezielle Ausbildung um Kaiserschnitte durchzuführen (3 Monate Training) aber seitens der Regierung ist geplant möglichst Ärzte mit dieser Spezialausbildung zur Verfügung zu stellen und auch eine bessere Versorgung der Neugeborenen im Notfall anzubieten.

Diesbezüglich war auch ein Treffen mit Dr. Bernhard Fassl, ein in Utah lebender Kinderarzt aus Niederösterreich interessant. Die Organisation, für die er tätig ist (Swan) richtet birthing centers in den healthposts in Humla ein (aber auch in anderen Regionen Nepals) und kümmert sich um ein upgrade der Neugeborenenversorgung. Das von Swan organisierte Training für healthworker und Hebammen war gut besucht, die Kursteilnehmer waren sehr motiviert und eifrig bei der Arbeit, insbesondere bei den praktischen Übungen

In Simikot hat sich auch einiges getan, zum Teil können abschnittsweise Straßen befahren werden, allerdings nur mit LKWs oder Jeeps auf abenteuerlichen Wegen.

Natürlich haben wir auch dem Projekt von Helena, Mahila Avaz einen Besuch abgestattet.

Bald war die Zeit um, es war wie immer eine Zeit voller toller Impressionen und Erfahrungen, auch verbunden mit manch körperlicher Anstrengung.

Unser besonderer Dank gilt Tsepal und Kunti, die uns wie immer bestens versorgt haben und auch Tsepal hat uns, insbesondere während des Treks gut umsorgt.

 

Alice Markl und Elisabeth Marth