Arbeitsbericht Gyn/OB/STD CampSimikot, August/September 2014

 

Zeitraum: 20. Aug.- 9. Sep. 2014

arbeitsbericht gyn ob std camp von elisabeth und lukas marth august september 2014 01Team:

Österreich:

Dr. med. Elisabeth Marth (Gynäkologin)
Cand. Med. Lukas Marth (Assistent)

Nepal:

Tsepal Dorje Lama (NAPO-Leiter vor Ort)
Sarita Bohari (Leitende Hebamme)
Karmu Lama (Hebamme)
Health workers

 

 

 

Ziele des Einsatzes:

  • Vorbereitung und Durchführung eines Gynäkologisch/Geburtshilflichen Camp
  • Screening auf Sexual-Transmitted-Diseases (STD) bei ausgewählten Patientinnen, insbesondere HIV/Lues
  • Mithilfe im Spitals-Routinebetrieb falls erforderlich
  • Überprüfungs- und Verbesserungs-/Reparaturmaßnahmen am neuen Maternitybuilding

 

Gynäkologie/Geburtshilfliches Camp:

 

Zeitraum: 25. Aug- 7. Sept.

Das Gyn. Camp, im Vorfeld von Tsepal Lama organisiert und über Radio beworben, erfreute sich sehr großem Andrang. Unter tatkräftiger Mithilfe der lokalen Healthworker und Hebammen, insbesondere Sarita Bohari und Karmu Lama, konnten insgesamt 455 Frauen untersucht werden. In den Tagen vor dem Camp wurden die Ausrüstungsgegenstände (insbesondere Einmalspekula und Kiwi-Vakuumpumpen) ausgepackt , bzw. die von Tsepal in Kathmandu gekauften Medikamente geordnet. Ausserdem richteten wir den Untersuchungsraum im alten Maternity building nach unseren Wünschen mit einem Bett für die Ultraschalluntersuchungen und einem gynäkologischen Untersuchungsstuhl aus. Einige Patientinnen wurden schon vor dem offiziellen Beginn des Camps betreut, insbesondere Schwangerschaftsuntersuchungen (Diese wurden von uns in die Statistik mitaufgenommen).

 

Statistik:

Insgesamt n=455

 

Grund: n %
Schwangerschaft 47 10,3
Gynäkologisch 408 89,7
     
     
     
Alter (y): n
<20 18
20-39 323
40-59 107
>59 7
Durchschnitt: 32,27

   

 

Vorhergehende Schwangerschaften n
0 46
1 65
2 101
3 109
4 75
5 36
6 12
7 8
8 2
9 1

 

 

Hauptdiagnosen:

(einige Patientinnen hatten 2 oder mehr Diagnosen, in der Statistik wird nur die wichtigste aufgeführt)

Diagnose n
   
Unauffälliger Gyn. Befund 171
Normale Schwangerschaft 46
     davon: Frühschwangerschaft 9
Colpitis (atrophe, bakterielle, Mykosen) 36
funktionelle Unterbauchschmerzen 32
Gastritis 32
Harnwegsinfekt 20
Prolaps 18
      Davon : Grad I 7
                   Grad II 7
                   Grad III 1
                   Grad IV 3
Sterilitas 16
      Davon: primär 7
                  Sekundär 9
Div. Blutungen 10
Myome 9
Pelvic-Inflammatory-Disease (PID) 9
Lumbago 9
Dysmenorrhoe 8
Sek. Amenorrhoe 5
Andere (<3 Patientinnen) 34
   
Gesamt: 455

 

Auffallend war, dass sich der Großteil (subjektiv etwa 90%) der Patientinnen mit den gleichen Beschwerden „Unterbauchschmerzen und weißer Ausfluss“, gelegentlich noch erweitert um Rückenschmerzen und/oder Brennen beim Wasserlassen vorstellte. Bei der Untersuchung konnte allerdings in den wenigsten Fällen eine organische Ursache dafür gefunden werden.

Die Sterilitätspatientinnen wurden samt ihren Partner prophylaktisch mit Doxybene (Chlamydieninfektionen) behandelt, bzw. besprochen, dass eine weitere Abklärung an einem Zentrum zu erfolgenhätte.

Einige Patientinnen (unklare Sonographiebefunde, längerdauernde Blutungsstörungen,internistische Erkrankungen) wurden an das nächste Camp verwiesen. Aus unserer Sicht wäre es ideal gewesen mehr über die Ziele und Vorstellungen des nächsten Camps zu wissen, damit die Zuweisungen gezielter hätten erfolgen können.

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STD Camp

Ein Ziel unseres Aufenthaltes war es, gezielt nach Geschlechtskrankheiten (STD) zu suchen und Kontrolluntersuchungen bei schon bekannten Fällen durchzuführen.Das Ergebniss kann als erfreulich betrachtet werden:
Von 22 durchgeführten Tests auf HIV und Lues (Syphillis) war kein einziger positiv.Getestet wurde von uns bei Frühschwangerschaft, Sterilität und Symptomen, bei denen sich eineHIV/Lues-Infektion erklären ließe.
Patienten mit schon vorbekannter STD-Infektion haben sich bei uns nicht vorgestellt.

Man kann nicht davon ausgehen, dass Humla frei von Geschlechtskrankheiten ist. Vor allem, da in Hinkunft durch die Zunahme von „Wanderarbeitern“ ins benachbarte China eine Verbreitung von STD zu erwarten ist.
Unsere Empfehlung wäre daher zumindest den Lues-Test in Zukunft bei allen Frühschwangerschaften durchzuführen um damit ein gewisses „screening“ zu erreichen. Dies wäre auch in der normalen Schwangerschaftsuntersuchung vorgesehen, laut Sarita haben bis jetzt dazu allerdings die nötigen Test-Kits gefehlt. Wir sehen hier einen möglichen Ansatz für die Zukunft (siehe unten).

 

Weitere Arbeiten

Am neuen Maternity-Building haben wir folgende Arbeiten erledigt:
An der Eingangstür wurde eine Türschwelle angebracht und mit Silikon versiegelt um in Zukunft das Eindringen von Wasser bei Regen/Schneefall zu verhinden.
Im Gebäude wurden 6 Heizstrahler installiert.
Die Plakette des Landes Oberösterreichs wurde im Eingangsbereich montiert.
Weiters konnte ein gynäkologischer Untersuchungsstuhl repariert werden.

 

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Bemerkungen:

Organisation: Untersuchungsraum einfach aber funktionell, sehr gute Vororganisation von Tsepal Lama, Hebammen sehr engagiert

Behandlung: durch die von Tsepal organisierten Medikamente konnte den meisten Patientinnen sofortige Hilfe angeboten werden, wobei Schmerzmedikation an erster Stelle stand. Die Hebammen wurden nochmals eindrücklich darauf hingewiesen, dass die Gabe von Antibiotika bei UB- Schmerzen einer genaueren Diagnostik und Untersuchung bedarf.

Labor: Laboruntersuchungen waren bis max. 14 Uhr möglich, abgesehen von den vielen „Feiertagen“, an denen das Labor überhaupt geschlossen war. Obwohl die Patientinnen die Aufforderung erhielten, die Laboruntersuchung am nächsten Tag durchzuführen, kamen viele dieser Aufforderung nicht nach. Aus Patientinnensicht durchaus verständlich, da viele von ihnen über Stunden bzw Tage zum Camp zu gehen hatten.

Hygiene: zum Reinigen sowohl des Untersuchungsstuhls und des US-Gerätes, als auch zur persönlichen Händedesinfektion, war zu wenig Desinfektionsmittel vorhanden.

Ideen

Abgesehen von den von Prof. A. Bichler initiierten Plänen zur Verbesserung der Basisversorgung der Frauen und Kinder von Humla wäre, wie bereits erwähnt, aus unserer Sicht eine regelmäßige Bereitstellung von Testkits für Syphilis und HIV zum Screening in der Schwangerschaft durchaus sinnvoll, idealerweise auch mit Ausdehnung auf umliegende health posts. Durch den Bau der Strasse nach China ist in den nächsten Jahren mit einer Zunahme von Geschlechtkrankheiten zu rechnen.

Insgesamt haben wir uns in Simikot sehr wohl gefühlt und danken Prof. Bichler und NTA für die ideelle und finanzielle Unterstützung.

Dr. Elisabeth Marth
Cand.med. Lukas Marth


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